Ulf Merbold  (1941)

Ulf Merbold

Foto: Urbin

Land: Deutschland
Geburtsdatum: 20.06.1941
Geburtsort: Greiz
Anzahl der Raumflüge: 3
erster Raumflug: 28.11.1983 (42 J.)
letzter Raumflug: 03.10.1994 (53 J.)

Ulf Merbold flog am 28. November 1983 mit dem Space Shuttle Columbia als zweiter Deutscher und als erster Westdeutscher ins All.
Er wurde am 20. Juni 1941 in Greiz in Thüringen geboren. Sein Vater starb im Konzentrationslager Buchenwald, nachdem er 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Thüringen zurückkehrte und von den Sowjets verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht wurde. Im September 1948 wurde Ulf Merbold eingeschult. Nach der vierjährigen Grundschulzeit wechselt er auf eine Zentralschule. Nach weiteren vier Jahren kam er auf die Theodor-Neubauer-Oberschule in Greiz. Nach dem bestandenen Abitur wollte er in Jena Physik studieren. Da er aber keiner Partei oder sonstigen staatlichen Organisation der DDR angehörte, wäre es ihm unmöglich gewesen, einen Studienplatz zu bekommen. Deshalb entschloss er sich, in West-Berlin zu studieren. Im November 1960 kam er über die damals noch offene Grenze nach West-Berlin. Da dort sein Abitur nicht anerkannt wurde, musste er in Berlin nochmals für ein Jahr die Schulbank drücken. Entgegen seiner ursprünglichen Pläne, bewarb er sich anschließend um einen Studienplatz in Physik an der Technischen Hochschule Stuttgart. Dieses Studium konnte er im Sommer 1968 erfolgreich abschließen. Danach arbeitete Ulf Merbold am Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart, zunächst als Stipendiat, später als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Im Jahre 1969 heiratete er seine Freundin Birgit, 1975 wurde seine Tochter Susanne, 1979 sein Sohn Hannes geboren. Seinen Doktortitel erwarb er 1976 an der Universität Stuttgart.

... mit Ulf Merbold im August 2003

Foto: Urbin

Auf eine Stellenausschreibung hin, die im April 1977 von der DFVLR in allen großen deutschen Tageszeitungen erschien, bewarb er sich als wissenschaftlicher Astronaut. Im Auftrag der ESA wurden drei Astronauten gesucht, von denen einer an der ersten Spacelab-Mission teilnehmen durfte. Allein aus der Bundesrepublik Deutschland gingen mehr als 700 Bewerbungen ein, aus denen die DFVLR fünf auswählen sollte. Nach vielen Tests und harten Auswahlkriterien wurden Reinhard Furrer, Ulf Merbold, Ernst Messerschmid, Reiner Schwenn und Dietmar Sängespeik vorgeschlagen. Aus den anderen ESA-Mitgliedländern waren weitere 48 Anwärter vorgeschlagen worden. Nach weiteren Tests blieben zunächst folgende vier Kandidaten übrig: Franco Malerba (Italien), Ulf Merbold (Bundesrepublik Deutschland), Claude Nicollier (Schweiz) und Wubbo Ockels (Niederlande). Sie begannen im Januar 1978 mit dem Training für die eigentliche Mission. Im Juli 1978 standen mit Ulf Merbold, Claude Nicollier und Wubbo Ockels die drei ESA-Astronauten fest. Im September 1982 wurde Ulf Merbold als Nutzlast-Spezialist ausgewählt. Am 28. November 1983 nahm er als erstes, nicht amerikanisches Mitglied an einer Space Shuttle-Mission (STS-9) teil. Hauptziel der Mission war die Erprobung des Weltraumlabors Spacelab und die Durchführung einer Vielzahl anspruchsvoller, wissenschaftlicher Experimente.

... mit Ulf Merbold im Oktober 2009

Foto: Urbin

Ab 1986 arbeitete er am Europäischen Weltraumforschungs- und -technologiezentrum der ESA (ESTEC) in Noordwijk in den Niederlanden an den Planungen für Columbus, dem europäischen Beitrag zur internationalen Raumstation mit.
Bei der Mission STS-42 war Ulf Merbold als Nutzlastexperte hauptsächlich für die bei diesem Flug durchgeführten wissenschaftlichen Experimente verantwortlich.
Im August 1993 begann Ulf Merbold eine Kosmonautenausbildung in Moskau. Er flog im Oktober 1994 mit der Mission Sojus TM20 als erster ESA-Astronaut zur Raumstation MIR und absolvierte den bis dato längsten Aufenthalt eines Westeuropäers im Weltraum. Dabei war er für eine Vielzahl europäischer Experimente verantwortlich.
Danach war er ab Januar 1995 als Leiter der Astronautenabteilung der ESA tätig.



Missionen:
Datum Flug Rakete Begleiter Begleiter
28.11.1983 STS-9 Columbia Garriott Lichtenberg
Parker Shaw
Young
22.01.1992 STS-42 Discovery Bondar Grabe
Hilmers Oswald
Readdy Thagard
03.10.1994 Sojus TM20 Sojus A-2 Kondakowa Wiktorenko